Erfahrungen, Meinungen

Wir Genuss-Trainierer

Ich geb’s ja zu: Ich bin ein Alien. Warum? Weil es mir Spaß macht, das zu tun, was viele Menschen nur von Neujahr bis Anfang März zu tun bereit sind: Ihren Körper mit Aufbau-Training zu fordern. Gerade heraus: Ich bin ein Genuss-Trainierer.

Allerdings: Früher war ich nie so konsequent wie in den letzten Jahren. Durchhalten war mir also nicht in die Wiege gelegt worden – eher ganz im Gegenteil. Ich trainiere zwar seit 1982, aber immer mit Unterbrechungen, die von einigen Wochen bis zu wenigen Monaten gedauert hatten. Aber seit Herbst 2018 habe ich das wesentlich besser im Griff: Ich trainiere mit myTRS regenerationsbasiert. Das bedeutet: Mit einer reduzierten Gefahr des Ausbrennens und mit sehr viel Abwechslung in der Übungs-Auswahl.

Es gibt ja offensichtlich ganz unterschiedliche Typen, was das körperliche Training betrifft. Da sind zum Beispiel die Leistungssportler, die wirklich alles aus ihrem Körper herauszuholen versuchen. Bei denen wird nicht viel diskutiert, sondern einfach alles gegeben. Den Kopf zerbrechen soll sich der Coach – der Athlet konzentriert sich auf den Sport und gibt Vollgas. Muss man halt mögen. Dass derartiges auf Dauer nicht als allumfassend gesund zu bezeichnen ist, leuchtet ein.

Aber neben den Profis gibt es auch noch die riesige Gruppe der Freizeitsportler. Und unter ihnen jene, die mit einem ordentlichen Maß an Zielstrebigkeit ausgestattet sind – zumindest dem Anschein nach. Immer haben sie vor Augen, was es als nächstes zu erreichen gilt. Zwischenziel folgt auf Zwischenziel, und etappenweise kommen sie ihren großen Meilensteinen auf dem Weg zum erträumten Erfolg immer näher. Das, was man tut, ist das, was eben getan werden muss: Das Ziel bestimmen das Vorgehen. Das notwendige Tun ist dabei lediglich Mittel zum Zweck.

Aber nicht zuletzt gibt es auch noch jene Menschen, die das, was sie tun, zu einem großen Teil auch gerne tun. Sie wollen weder verkrampft oder stur jede Minute ihres Lebens auf ein wie auch immer definiertes Ziel hinarbeiten, noch wollen sie sich masochistischerweise den Schmerzen des Trainings hingeben. Nein – was sie wollen, ist etwas ganz anderes: sie wollen das, was sie tun, genießen. Genuss-Trainierer eben.

Ich möchte das genießen, was ich mache – das heißt nicht notwendigerweise, sich einer entrückten Genuss-Sucht hinzugeben. Es kann auch bedeuten, dass man sich auf jedem Stück des Weges bewusst macht, welche Vorteile, welchen Nutzen man davon hat, seinen Körper gut in Schuss zu halten. Und aus einer solchen achsamen Wahrnehmung entsteht letzten Endes ein positives Gefühl der Befriedigung, das Richtige getan zu haben – auch dann, wenn es wieder mal ziemlich anstrengend war.

Ich persönlich bin Mitte Fünfzig und habe keinerlei Wettkampf-Ambitionen. Überhaupt keine. Aber konsequentes Training auf lange Sicht hat für mich einen hohen Stellenwert – und das seit fast vier Jahrzehnten: Ein gutes Maß an Fitness hilft mir dabei, den fortschreitenden Alterungs-Prozess mit einem guten Maß an körperlichem Leistungsvermögen zu durchlaufen.

Ein wesentlicher Schlüsselfaktor bei dieser Sache ist allerdings: Abwechslung. Das Vermeiden von Langeweile spielt eine zentrale Rolle, um nicht die Freude zu verlieren und früher oder später abzuspringen. Nicht nur Burn-out, sondern auch Bore-out ist eine realistische Gefahr. Abwechslung hilft dabei, den „Genuss” durch die Einbeziehung immer neuer Übungen aufrecht zu erhalten oder sogar zu steigern.

Wenn man nach der Philosophie des regenerationsbasierten Aufbautrainings vorgeht, ist für Abwechsung ganz automatisch gesorgt: Die jeden Tag andere Belastungs- und Erholungs-Lage der zuvor trainierten Muskulatur sorgt für immer andere Übungs-Vorschläge. Keine Gefahr also, bei den ewig gleichen Lieblings-Übungen für die immer selben Lieblings-Muskelgruppen hängen zu bleiben – und damit Einseitigkeit und Langeweile zu riskieren.

Es geht auch anders …

Hinweis: Impulsgeber für den Begriff „Genuss-Trainierer” war Svenja Flaßpöhlers Buch „Wir Genussarbeiter: Über Freiheit und Zwang in der Leistungsgesellschaft”. Während sie die Gefahr der Zwanghaftigkeit ausleuchtet, wird hier im Beitrag von einer Art Genuss gesprochen, die aus der Überzeugung entsteht, das Richtige zu tun – und zwar für sich selbst.

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